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Kategorie: Allgemeine News, CD

CD-Rezension: "(r)anthems" von "SPOKE"

SPOKE: Andy Hunter, tb; Justin Wood, asax; Dan Loomis, bass; Danny Fischer, drums (River Records 002, 888295154383)

Von A. Mössinger

Das Jazzquartett SPOKE (New York) besteht aus den Musikern Andy Hunter - Posaune, Justin Wood - Altsaxophon und Flöte, Dan Loomis - Kontrabass und Danny Fischer - Schlagzeug. Bei zwei Titeln kam Ito Arguinzoni - Congas als Gast noch zur Band dazu. Diese CD „(r)anthems“ wurde 2014 herausgebracht und ist die dritte CD von SPOKE.
Der Name „SPOKE“ bedeutet auf Deutsch übersetzt „Speiche“. Die Band erklärt das folgendermaßen: Jedes Mitglied von SPOKE ist an der Führungsrolle beteiligt, unterstützt die anderen und folgt, wie die Situation es erfordert. Genau wie jede Speiche in einem Rad Gewicht trägt, wenn es benötigt wird.
Auf dem CD-Cover erfahren wir etwas mehr über den Titel: „(r)anthems meint beides, musikalisches Schimpfen und Hymne. Anders als die meisten Schimpfreden sind diese voller Spaß, gewürzt mit Salsa und gebraten mit Pop.“
Geboten wird  ein Programm aus bester Jazz-Kammermusik, die auf einen dezidierten Leiter verzichtet. Die Konstellation der Instrumente (ohne Klavier oder Gitarre als Harmonieinstrument) ergibt quasi ein Melodieinstrumententrio mit Rhythmus (besonders bei den Stellen mit dem streichenden Bass) und hat damit dank der unglaublichen Virtuosität, Sauberkeit und Sicherheit der Musiker alle Möglichkeiten vom Groove und großen Sound her fast wie bei einer Bigband bis hin zur sehr intimen „A-capella“-Besetzung.
Es beginnt mit dem Titelsong 1 Ranthem (Dan Loomis), ein kurzer Opener zur freudigen Begrüßung und später mit einer etwas ruhigereren, improvisierten Stimmung, quasi ein Aperitiv in 1:30 Min.
2 Tell Me Something (Good (Stevie Wonder, arr. Hunter), 3 Invisible Lady (Charles Mingus, arr. Hunter) und 4 Blackbird (Paul McCartney, arr. Hunter) sind sehr geglückte Remakes der weltberühmten Orginaltitel, die man sich heutzutage auch ganz einfach und umsonst auf Youtube vergegenwärtigen kann. Geglückt sind die Remakes meiner Meinung nach deshalb, weil sie die orginalen Charaktere in neuem Klanggewand gelungen übernehmen und die Musik neu ausgewichtet wird oder andere Betonungen erfährt, die bereichernd und sehr hörenswert das Orginal neu interpretieren und weiterführen. Es ist immer auch etwas wie eine Würdigung des Orginales enthalten.
5 The Shanghai Salsa (Andy Hunter) stellt starke Handwerkergräusche dar und ist aus Andys Zeit in Shanghai, als ihn solche Geräusche wohl sehr früh am Morgen unausweichlich trafen, ein rhythmischer Salsa mit kräftigen Klängen und hier wieder mit den zusätzlichen Congas von Ito Arguizoni.
Kontrastierend dazu ist die stimmungsvolle Eigenkomposition 6 Shepherd (Dan Loomis) am Anfang ein quasi A-capella-Stück mit ruhigen Harmoniefolgen der drei Meldodieinstumente, oben die Posaune, in der Mitte das Sax und unten, arco spielend der Kontrabass und später dann mit einem improvisierten Teil.
7 I Only Have Eyes For You (Warren/Dubin, arr. Hunter) ist ein schmalzig gagiger langsamer Soul-Titel mit viel Wah-Wah-Dämpfer in der Posaune.
Titel 8 Cancion Para Mi Madre (Andy Hunter), also „Lied für meine Mutter“, bringt einen feurigen Samba und wieder mit den zusätzlichen Congas des Gastes Ito Arguinzoni.
9 Clube da Esquina (Nascimento/Lo Borges, arr. Hunter), 10 Move (Dezil Best, arr. Hunter, ein bekannter Miles Davis Titel im Bebop Stil), 11 Pure Imagination (Bricusse/Newley, arr. Hunter) sind, wie oben schon gesagt, die Weiterführungen der weltbekannten Orginale, die hier gewürdigt und interpretiert werden.
Als Rausschmeißer folgt die kurze Version von 12 Worry Later (Thelonius Monk, arr. Hunter) wie eine kurze Zugabe.
Alle Musiker von Spoke greifen ein und prägen durch ihre hohen Qualitäten die Musik. Saxophonist Justin Wood beherrscht auch sehr gut die Querflöte, Andy Hunter ist rund herum in allen Lagen ein großartiger Posaunist und Bassist Dan Loomis wie Danny Fischer am Schlagzeug kommen einzeln und zusammen gesehen zu herrlichen Farben. Am besten finde ich, dass es die Band schaffte, dass man beim Hören nicht mehr einzelnen Instrumenten folgt oder sie besonders beachtet, obwohl das auch geht, nein, man hört und genießt unweigerlich den Groove und die Ganzheit der Musik. Erst hinterher hört man vielleicht nach und fragt sich, was spielt z.B. das Sax da eigentlich, weil man es vielleicht fast für eine zweite Posaune gehalten hat ...  Es ist sehr empfehlenswert, dieser CD zuzuhören und diesen wunderbaren Querschnitt der Musik in seiner Vielseitigkeit zu erleben.

(Sie ist bei http://www.cdbaby.com/cd/spoke32 zu erwerben als Download (auch in hoher Qualität( für 9,99 USDollar. Dort kann man auch sehr gut rein hören...)


 
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