Donnerstag, 16. November 17 um 13:21 Alter: 25 Tag(e)

Kategorie: CD, Allgemeine News

CD „Siècle de Lumières“ mit Henri-Michel Garzia, Posaune

und Vannina Santoni (Sopran), Ensemble Neophonia (Leitung: Benjamin Garzia), © 2017 bei Klarthe, www.klarthe.com, 3149028113020

„Zeitalter der Aufklärung“, so lautet der Titel der CD, wenn man ihn auf Deutsch übersetzt. Henri-Michel Garzia ist Soloposaunist des Sinfonieorchesters Basel (Vizepräsident der französischen Posaunenvereinigung ATF, Konzertsolist, Masterclasslehrer und Kammermusiker, etc.).
Dem Titel entprechend entstammen alle gespielten Werke dem 18. Jahrhundert, wobei sich natürlich aus heutiger Sicht einige Fragen in puncto Interpretation auftun, deren Antwort diese weitere CD über eine ja nicht mehr junge Musik auf der einen Seite rechtfertigt und natürlich auch von der Interpretation her interessant gestalten hilft. Henri-Michel Garzia liefert dazu im Booklet eine kurze, interessante Passage der Erläuterung: (Übersetzung A. Mössinger)
„Moderne Instrumente oder historische Instrumente der Zeit? Ist das wirklich so einfach? Warum eine Sichtweise ablehnen, die historische Genauigkeit sucht? Warum, gleichermaßen gesagt, soll man die Sichtweise der Künstler ablehnen, die auf moderne Weise die Musik wieder aufleben lassen? Konvergieren nicht diese beiden Ansätze zu demselben Ideal? Dieser Konzeption folgend schlägt diese CD vor, zwei der berühmtesten Konzerte für Alt-Posaune mit anderen musikalischen Perspektiven zu verbinden, nämlich der des Oratoriums oder der Transkription.“
(Das Orginal zu Verdeutlichung: „Instruments modernes ou instruments d‘époque? La question réside-t-elle sur ce simple point? Pourquoi rejeter une vision qui recherche la précision historique? Pourquoi, de même, rejeter le regard des artistes qui apporteront à la flamme une nouvelle raison de s‘embraser. Les deux démarches ne convergent-elles pas vers un même idéal? Suivant cette conception, ce disque propose de faire se croiser deux des concerti pour trombone alto les plus célèbres avec d‘autres perspectives musicales, comme l‘oratorio ou la transcription.“)

Trackliste (gesamt ca. 50‘):
- Georg Christoph Wagenseil (1715 - 1777) -
    Konzert für Posaune
1. Adagio (4‘36‘‘)
2. Allegro Assai (4‘26‘‘)
- Alessandro Besozzi (1702 - 1793) -
    Sonate in B-Dur
3. Andante (2‘34‘‘)
4. Allegro (2‘56‘‘)
5. Larghetto (1‘56‘‘)
6. Allegretto (2‘28‘‘)
- Johann Georg Albrechtsberger (1736 - 1809) -
    Concerto für Altposaune
7. Allegro (6‘39‘‘)
8. Andante (5‘33‘‘)
9. Allegro moderato (3‘17‘‘)
- Georg Friedrich Händel (1685-1759) -
    Concerto in f-Moll
10. Grave (2‘34‘‘)
11. Allegro (1‘57‘‘)
12. Sarabande largo (2‘31‘‘)
13. Allegro (2‘10‘‘)
- Johann Ernst Eberlin (1702-1762) -
    Fliess O heißer Tränenbach
    aus dem Oratorium „Der verurteilte Jesus“
14. Dolorosa (6‘42‘‘)

Das Konzert von Wagenseil, die Transskriptionen von Besozzi und Händel werden vom Streicherensemble mit der Posaune insgesamt sehr geschmackvoll und passend interpretiert. Henri-Michel Garzia überzeugt nicht nur klanglich wie musikalisch, er folgt auch seiner formulierten Vorgabe und findet so einen sehr gut passenden Weg, die alte Musik auf neuen Instrumenten vorzustellen. Die beiden hier noch nicht erwähnten Stücke, für die natürlich diese Einschätzung des Gehörten ebenso voll und ganz zutrifft, sind allerdings, finde ich, jedes für sich noch einmal getrennt besonders bemerkenswert:
Das Altposaunen-Konzert von Albrechtsberger ist ja vielleicht das größte und wichtigste Werk für Altposaune überhaupt. Es steht ausdrücklich auch Altposaune in den Noten, nicht wie beim Wagenseil „nur“ Posaune. Und es ist das Probespielkonzert, wenn es um die Verpflichtung zur Altposaune geht. Hier jedenfalls ist die CD unbedingt an einem ihrer besonderen Höhepunkte. Das Spiel der Posaune ist maßvoll, mit großer Leichtigkeit, mit schlankem, zentrierten und durch die Register einheitlichen Klang. Auch die Fragen der Verzierungen und Triller sind sehr souverän gelöst worden. Durch die lebendige Interpretation gelingt eine in meinen Augen z. B. für Studenten beispielhafte Aufnahme in sehr gutem Zusammenspiel mit dem Kammerensemble, das die Posaune stilistisch mit großer Einheit begleitet. Das Ensemble Neophonia wurde von Benjamin Garzia (Dirigent, Komponist, Hornist, Bruder von Henri-Michel) geleitet.
Und noch ein Wort zum „Oratorien-Stück“ von Eberlin: In mehreren Werken von Eberlin, die erhalten sind, wird die solistische Altposaune (es steht wohl im Orginal nur „trombone“ in der Partitur) im Stil der Zeit gleichwertig solistisch im Duett mit einer Gesang-Solostimme (Vannina Santoni) eingesetzt. Dieses Werk hört man überhaupt sehr selten und es scheint, dass es bislang noch nicht auf CD erschienen ist.

Insofern und auch, weil es sehr gut hörbare und schöne Musik ist, die hier äußerst geschmackvoll und passend vorgestellt wird, kann man sich nur bei Henri-Michel Garzia und dem ganzen Team für eine sehr gelungene CD bedanken!

Von A. Mössinger


 
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