Dienstag, 21. April 09 um 19:42 Alter: 3 Jahr(e)
Kategorie: CD, Allgemeine News
CD-Besprechung: "Duo Conceptions" von Uli Gutscher und Werner Acker
Das bislang neueste Album mit Jazzposaunist/Pianist Uli Gutscher in der Besprechung von Jakob Guizetti, IPV-Präsident.
Das Album "Duo Conceptions"
von Uli Gutscher und Werner Acker
Edition Musikat bei Buch Julius, 2004
Reicht das? - wird sich vielleicht der potenzielle Käufer denken oder schon gedacht haben, wenn das Album "Duo Conceptions" das erste mal in Händen hielt, oder davon nur gehört hat.
Posaune und Gitarre - man kann sich tausend Gedanken machen, wie das klingen mag. Man erwartet vielleicht etwas sehr Unkonventionelles, super Modernes oder total Schräges.
Jazz-Duo Alben hat es schon viele gegeben, ich kenne auch bestimmt nicht alle, aber diese Kombination ließ zunächst Zweifel in mir aufkommen, ob das zusammen passt und ein schlüssiges Hörerlebnis ergibt. Um es vorweg zu nehmen: ja, es ist sogar sehr schlüssig!
Das hat viele Gründe, und diese finden sich vor allem in den beiden Musikern selbst. Uli beginnt die CD mit einer Solo-Introduction von fast einer Minute und lässt dabei erkennen, wer ihn in seinem Leben als Musiker, und in diesem Fall als Posaunist, am meisten geprägt hat.
Mehrstimmigkeit erinnert mich sehr stark an Albert Mangelsdorff, sein Spiel mit dem Plunger lässt Bobby Burgess und Urbie Green wiedererstehen. Bei allem
Wiedererkennungewert spielt Uli absolut authentisch und ist immer er selbst. Werner Acker spielt in der Eröffnungsnummer "God Bless the Child" eine akkustische Gitarre, die sehr transparent klingt und seine voicings und seine time lassen keinen Bass vermissen, er spielt klar, gradlinig und schnörkellos.
Uli Gutscher spielt im Duett rhythmisch präzise und harmonietreue Linien, ohne dabei einfältig oder monoton zu klingen.
Und dann kommt das völlig andere Gesicht dieses Duos. In den beiden Balladen "Thinkin´of you" und "Come Sunday" wechselt Uli zum Flügel und Werner Acker musiziert auf einer Electric-Nylon-Guitar. Die Aufgaben wandeln sich einmal gänzlich, der auf der Posaune eher Führende lässt nun seinem Partner den Vortritt und gibt ihm allen Raum, den er braucht um frei spielen zu können.
Das Hören dieser CD lädt bei diesen beiden Nummern ein, die Gedanken schweifen zu lassen, und vielleicht sogar ein bisschen zu träumen. Auch Chick Coreas "La Fiesta" hat mich in dieser Duofassung überrascht. Ich kenne diesen Titel nur aus großinstrumentierten und rhytmisch kraftvollen Aufnahmen. Bei Uli und Werner wird dieses "La Fiesta" zu einem kammermusikalischen Genuss.
Wieder nur mit akkustischer Gitarre begleitet, kann man sich so viele Räume und Plätze vorstellen, in und auf denen dieses Duo musiziert, dass man gut und gerne Urlaubsgefühle entwickeln kann. Und - es groovt immer!
Beide sind so gut auf einander eingestimmt und abgestimmt, daß ein perfektes Timing zur Selbstverständlichkeit wird, ohne zu stampfen.
"Duo Conception" ist eine wunderbare Aufnahme, die in viele
Räume passt, die man zu vielen Gelegenheiten hören kann, ohne
ihr überdrüssig zu werden.
Vieleicht findet diese CD ja auch bei Ihnen einen eigenen Raum,
mich würde es freuen, ich kann allen diese Aufnahme wärmstens
empfehlen.
(Besprechung von Jakob Guizetti)
