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Kategorie: CD, Allgemeine News

CD-Besprechung von "O Vos Amici Mei Carissimi", Instrumenta Musica unter der Leitung von Ercole Nisini und ein Gesangsquartett

Motetten Canzonen und Sonaten venezianischer Meister zur Zeit Monteverdis...   Constanze Backes, Sopran; Gerlinde Sämann, Sopran; Herrmann Oswald, Tenor; Markus Flaig, Bass   2008, www.ramee.org , RAM 0805 von A. Mössinger


Im Aachener Label Ramée erschien 2008 die CD „O Vos Amici
Mei Carissimi“ des Dresdner Ensemble für alte Musik
„Instrumenta Musica“ unter der Leitung des Posaunisten Ercole
Nisini.
Die Besetzung der Musiker ist: 2 Sopranistinnen, Tenor und Bass;
2 Violinen; 4 Posaunen (nur Tenor und Bass), Theorbe (engl.
Chitarrone), Orgel oder Cembalo.
(Die beteiligten Musiker werden zwar im CD-Booklet erwähnt,
aber man kann sie leider nicht den verschiedenen Besetzungen
der einzelnen Stücke zuordnen.)
Zur Aufführung kommen 5 Komponisten: Giovanni Battista
Riccio (1570-1630), Carlo Filago (1589-1644), Claudio Merulo
(1533-1604), Giovanni Bassano (1558-1617), Giovanni Picchi
(1571-1643)
Im ersten Stück von Giovanni Battista Riccio erklingt eine Sonata
a 4 mit Orgel und Theorbe als b.c., 2 Violinen und Posaunen. Es
wird sehr einheitlich phrasiert mit den Bögen, Affekten und
Schwerpunkten. Am Anfang nacheinander einsetzend, verhalten
und würdevoll gewichtig, dann ein flotter Dreier, ein fröhlicher
Zweier und wieder als Schlußteil ein ausladender gerader Takt mit
würdevollem Maß und virtuosen Verzierungen über liegende
Klänge, am Ende der Schlußakkord ähnlich der Landung einer
Taubengruppe auf dem Markusplatz in Venedig nach längerem
Anflug, aber im Moment des Schlussakkordes (Ausruhens) wird
eine Taube nochmal aufgeschreckt und fliegt sehr flink auf die
nächst höhere Ebene der Mauer zur Sicherheit
(Geigenverzierung!!). Die Musik wird sehr plastisch und klar
interpretiert durch sehr leicht spielende Musiker, eine Freude für
den Hörer.
Nach zwei Motetten von Filago für Sänger und Orgel mit Theorbe
geht es instrumental weiter mit drei Canzonen von Riccio. Wieder
imponiert die sehr einheitliche Gestaltung der beiden Instrumente
Geige und Posaune zur Orgel mit zusätzlicher Theorbe.
Abwechlungsreiche Duo-Musik in schnell-langsam und laut-leise
Kontrasten und mit wechselnden Tempi und Takten. In der dritten
Sonate „Canzona La Pichi, in Ecco con il Tremolo“ ist bemerkenswert
die deutliche und effektvolle Gestaltung des Tremolos,
ca. 2mal pro Sekunde auf dem Ton anzuschwellen, einheitlich
umgesetzt von Geige und Posaune.
Überhaupt können Streicher und Posaunen in der alten Musik sehr
viel von einander profitieren, wenn sie wie auch hier sehr gut
geglückt als Posaunen die Tongebung wie bei einer Singstimme
gestalten, was auch die Streicher können, und da eben der
Bogenstrich wie gesanglich eingesetzt wird. So könnte man
sagen, dass auch die Posaunen wie beim Bogenstrich intonieren
und abphrasieren, wie der Text eines Sängers den Klang
bestimmt.
Es folgt eine Toccata von Merulo für Cembalo, die nach soviel
Klang eine kühlende Wirkung gibt.
Weiter von Filago eine Motette „Diligam te Domino“ für drei
Posaunen und 2 Sopranstimmen und Tenorstimme und eine
Motette „Confitemini Domino“ für 4 Posaunen und Orgel mit
zwei Sporanstimmen. Hier ist der Posaunenklang sehr gut auf die
Gesangsstimme und Gestaltung der Sänger abgestimmt und auch
dynamisch sehr dezent im Zusammenspiel.
Ein Duett der zwei Geigen „Canzon La Grileta“ folgt.
Dann von Bassano das sehr berühmte Madrigal „Anchor Che Col
Partire“ in einer Version für Bassposaune und Orgel. Es ist sicher
wertvoll für die Möglichkeiten der Bassposaune, solche Literatur
einzubinden in das Blickfeld des gängigen Repertoires, besonders
natürlich auch im pädagogischen Bereich. Der Bassposaunist
singt sehr schön auf dem Instrument und spielt souverän die elegischen
Bögen zur dezenten Orgel in sehr sauberer Intonation.
Wieder mit Tremolostellen am Ende auf längere Töne folgt eine
Canzona a 3, Con il tremolo, 2 Violini ò Cornetti e Trombone ò
Fagotto.
Zwei Motetten von Filago für Gesangstimmen und Orgel und
Theorbe sind schön gestaltet und dezent begleitet.
Zum Schluß ein Tutti von Picchi eine Canzona a 6, 4 Posaunen
und zwei Violini, Theorbe und Orgel in voller Instrumental-
Besetzung. Auch hier überzeugt die schön einheitliche und
abwechslungsreiche Gestaltung der Taktwechsel und Affekte in
der Musik und besonders zwischen Posaunen und Geigen.
Die gespielte Musik enthielt für den Rezensenten unbekannte
Musik seltener Komponisten-Namen, was sehr interessant ist.
Wohl sind einige Werke davon, evtl. besonders die instrumentalen,
auch durchaus wert einer Neuentdeckung durch z. B. den
Musik(hoch-)schulbereich (Duette für Geige und Posaune mit
Cembalo etc.). Bei fast allen Werken wurde ein Tasteninstrument
(Orgel, oder Cembalo) als Basso Continuo verwendet. Auch die
Theorbe ist zusätzlich im b.c. eingesetzt. Auf dieser Grundlagen
wird gespielt mit den Instrumenten 2 Geigen und Posaunen. Oder
es werden 2-3-4 Gesangstimmen mit Geige und Posaune eingesetzt
je nach der Komposition.
Diese Besetzungen sind sehr gut zu realisieren. Auch sind die
Möglichkeiten der Barockposaune einfach ideal, zumal das
Zusammenspiel mit Geigen und Gesangstimmen durch den engen
Klang und Schalllbecher sehr gut zu realisieren ist.
Technisch ist die CD auf sehr hohem Niveau musiziert, besonders
in der möglichst orginalen Stilistik der Zeit der Komposition und
auch auf möglichst orginalen Instrumenten der Zeit. Man fragt
sich jedoch, inwieweit nicht gerade die Posaunisten, aber auch die
Sänger der damaligen Zeit noch etwas mehr auch dynamisch
gestalten konnten und evtl. somit die Musik noch mehr
Ausgelassenheit oder Gestaltungstiefe haben könnte. Aber letztlich
ist das heutige Produkt einfach sehr schön anzuhören und
schon deshalb sehr berechtigt. Eine sehr empfehlenswerte CD für
alle Freunde der historischen Aufführungspraxis. Beispielhaft
scheint auch das erwähnte Konzept des Sponsoring durch den
Verein „Vox de Caelo e.V.“, der das Projekt witschaftlich ermöglicht
hat.
Die CD ist zu erwerben u.a. über www.ercolenisini.de/ .


 
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