Donnerstag, 06. Oktober 05 um 14:16 Alter: 15 Jahr(e)

Kategorie: CD

CD- "Romantik Pur"

Prof. Armin Rosin, Posaune mit Orchester, mit einer Besprechung von A. Mössinger

Graefe, Friedebald - Konzert in B - Dur
Sachse, Ernst - Konzert in B - Dur
Reiche, Eugen - Konzert No. 2 in A- Dur
Alschausky, Josef Serafin - Walzer - Arie No. 6
Koetsier, Jan - Konzert für Trompete, Posaune und Orchester

Nürnberger Symphoniker - Leitung: Uri Segal;
recorded 1975 + 1978, digitally re-mastered 2004,
Colosseum Schallplatten GmbH, Nürnberg

 

Besprechung von Andreas Mössinger

Wenn Herr Professor Rosin im Beiheft der CD in einem historischen Exkurs von 1820 - 1920 die führenden deutschen Posaunevirtuosen und des Weiteren die Komponisten der CD und ihre Werke vorstellt, so spürt man, daß er in orginalen Zeitdokumenten sehr erfolgreiche Forschungsarbeit leisten konnte und natürlich auch durch das familiäre Kulturerbe seines Vaters profitierte, der selbst als Posaunist Schüler bei Alschausky war. Das Beiheft enthält den Text in deutscher, englischer und spanischer Sprache.
Für jeden Posaunisten, der sich mit den deutschen Solowerken beschäftigt, ist es äußerst lohnenswert, den Inhalt zu kennen.

Die CD, eine digitale Wiederauflage einer Aufnahme von Mitte der 70er- Jahre, wird dem Anspruch, den Musizierstil der Zeit der Komposition vorzustellen, mehr als gerecht.
So wird im Konzert von Friedebald Graefe eine orginale Kadenz von Josef Serafin Alschausky musiziert, das Konzert von Ernst Sachse in B- Dur (orginale hohe Ausgabe) ist bis heute sehr bekannt und beliebt und wird brillant vorgestellt , das Reiche- Konzert, meines Wissens überhaupt noch nicht von jemandem Anderen als Herrn Rosin komplett auf CD erschienen, strotzt ebenso von “altdeutscher” Interpretation (Geist auch der bis heute verfügbaren Robert Müller Schule). Besonders bei Reiche’s Werk ist zu spüren, daß eine Begleitung durch Orchester dem Stück erst seinen wirklichen Charakter entlockt, wozu leider viel zu Wenige die Gelegenheit haben. Für den Autor dieser Besprechung ist es persönlich wohl das wertvollste Stück der CD aus der Kategorie “altdeutsch”. Herr Rosin sagt, es sei im Stile Albert Lorzings verfasst. Die italienische Walzerarie No. 6, Untertitel “Ein Kleinod” von Seraphin Alschausky ist ein eher lyrisches Stück, wie der Titel schon sagt, und entspricht dem Stil der Zeit, fast etwas französisch.

Das Konzert von Jan Koetsier (* 1911) ist das Einzige aus moderner Zeit.
Herr Koetsier bezeichnet sich selbst als Romantiker und ist mit seiner Komposition, Auftragskomposition des Bayrischen Rundfunks, 1966, die er selbst dirigierte, wohl deshalb auf diese CD aufgenommen worden (Aufnahme von 1973/4). Herr Professor Rosin, Posaune, und der damalige BBC Solotompeter Herr John Wilbraham (1944- 1998) treffen in dem Konzert für Trompete, Posaune und Orchester in sehr harmonischer Weise aufeinander, was meint, daß das Zusammenspiel keine Wünsche offen lässt. Absolut präzise und ausgeglichen auf beiden Seiten mit höchster Tonkultur, Gestaltungstiefe und technischer Finesse. Insgesamt ist auch das große Orchester vom Komponisten keinesfalls nur begleitend eingesetzt, sondern das Duo oder abwechselde Solo wächst gewissermaßen aus der Orchestermusik organisch in den Vordergrund. Ein Tonbild hoher Sensibilität, beherrscht von der musikalischen Aussage, allzu beherrschende Virtuosität um ihrer selbst willen völlig meidend; verspielt setzt es Dämpfersound, Glissandi in der Posaune und fast swingende Elemente ein.

Als Hörer dieser CD erlebt man jedenfalls akustisch den wirklich orginalen Geist der deutschen Posaunenromantik geballt und wird zum Schluß mit dem Doppelkonzert neoromantisch mit zusätzlicher Trompete verabschiedet.
Instrumentaltechnisch ist die Darbietung des Koetsier von höchstem Niveau. Die deutschen Komponisten auch fast immer, was sicher historischer ist, als totale, quasi maschinelle Perfektion.
Herr Rosin sagt, dies sei damals die erste Posauneneinspielung mit Posaunenkonzerten auf der ganzen Welt gewesen. Der Autor dieser Besprechung kann dem hinzufügen, daß auch er in den siebziger Jahren in den Schallplattenläden nur diese Schallplatte für Soloposaune gefunden hat und immer enttäuscht war, zumal die Solotrompete im Gegensatz dazu auf Schallplatte schon länger ihren genialen Maurice André hatte.
Vielen Dank Herr Rosin für “das” historisch restaurierte Tonbild der deutschen Posaunenkultur dieser versunkenen, romantischen Epoche! Jetzt auf CD.

Andreas Mössinger, Karlsruhe, Mai 2005
 


 
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